Biografie

James Francis Gill ist einer der letzten noch lebenden US-amerikanischen Pop Art Künstler der ersten Stunde.

 

Bereits 1962 nahm das Museum of Modern Art, New York sein aus drei Tafeln bestehendes Gemälde „Marilyn Triptych“ in seine ständige Sammlung auf. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere zog sich Gill 1972 zurück, um erst nach rund 30 Jahren wieder im Kunstmarkt zu erscheinen.

 

Gill wurde 1934 in Tahoka, Texas, geboren. Er wuchs in San Angelo, Texas auf. Schon in seiner Kindheit förderte seine Mutter, eine Innenarchitektin, sein künstlerisches Interesse. In der High School gründete Gill mit Freunden einen Rodeo-Club, um seinen Traum Cowboy zu werden, zu verwirklichen. Während seines Wehrdienstes bei den „Marines“ arbeitete Gill als Bauzeichner und entwarf Poster. Zurück in Texas setzte er seine Ausbildung am San Angelo College fort und arbeitete für ein namhaftes Architekturbüro.

 

1959 folgte ein Studium in Austin an der Universität von Texas, um später im Bereich Architektur-Design in Odessa,Texas und Midland,Texas zu arbeiten. Ab diesem Zeitpunkt konzentrierte er sich vermehrt auf seine künstlerische Laufbahn.

 

1962 zog er nach Los Angeles um. Im Gepäck zahlreiche Kunstwerke, darunter die „Women in Cars“, die er in der Felix Landau Gallery vorstellte. Bereits im November 1962 erreichte Gill internationale Anerkennung, als das Museum of Modern Art in New York sein „Marilyn Triptych“ in seine ständige Sammlung aufnahm. Seine Zeichnung „Laughing Women in Cars and Close-up“ wurde vom Museum of Modern Art zwischen Zeichnungen von Picasso und Odilon Redon gezeigt.

1965 lehrte Gill an der Universität von Idaho Malerei. Seine Werke waren in diesen Jahren oft bedrückend und düster in Farbton und Stimmung. Hauptthema seiner Arbeiten war gesellschaftliches und politisches Zeitgeschehen wie zum Beispiel der Vietnamkrieg. Es entstand eine Serie Antikriegsbilder von zivilen und militärischen Führungspersönlichkeiten. Der Schriftsteller William Inge kommentierte: „Gill stellt Personen mit hohem öffentlichem Ruhm dar, die momentan in einer schändlichen Entscheidungslage stecken und dabei sind, ihr politisches oder berufliches Ansehen zu zerstören.“

 

1967 zeigte die „Sao Paulo 9 Biennale – Environment USA: 1957–1967“ in Brasilien Gills Kunstwerke zusammen mit Künstlern wie Andy Warhol und Edward Hopper. Diese Ausstellung unterstrich Gills Platz in der internationalen Welt der Kunst. Seine Kunstwerke wurden in die Sammlungen bedeutender Museen aufgenommen.

 

Im gleichen Jahr beauftragte ihn das 'Time Magazine', den Russen Alexander Solzhenitsyn zu porträtieren, der gerade aus einem russischen Arbeitslager geflohen war. Gill malte das Bild in Form eines vierteiligen Altarbilds. Die Figur verwandelt sich von einem gesichtslosen in einen lächelnden Mann, der seine Freiheit zurückgewonnen hat. Gill: „Jeder Mensch ist ein politischer Gefangener. Ein Gefangener eines Systems, in das er hineingeboren wurde.“

 

Das Werk hing danach rund fünf Jahre in der Empfangshalle des Time Life-Gebäudes. Gills Quellen kamen immer aus der Gegenwart. Seine Anerkennung als Künstler gründete sich nicht nur auf die Porträts berühmter Persönlichkeiten wie John F. Kennedy, Marilyn Monroe und den Beatles, sondern in großem Maße auf seine Werke, die den politischen Machtapparat und den Krieg an sich in Frage stellten. Wichtige Werke aus dieser Zeit sind die "Political Prisoner“. Die Reihe zeigt die Silhouette einer schwangeren Frau. Ihr Körper ist das Symbol für die Langlebigkeit der Menschen und für die Möglichkeit eines neuen Anfangs einer jeden Generation, befreit von den Fehlern der Elterngeneration. Aber gleichzeitig plakatiert Gill unzweifelhaft, dass das ungeborene Leben schon gefangen ist.

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Vita und Lebenslauf auf einen Blick:
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 “Art is always a part of who you are. It’s your perception. It’s where you’ve been. You never leave that. If you’re a cowboy, you are

always a cowboy.”


1969 lehrte Gill an der Universität von Kalifornien in Irvine. 1970 bot man ihm eine Gastprofessur an der Universität von Oregon in Eugene an. Jetzt befand sich Gill auf dem Höhepunkt seiner Karriere und war sehr populär in der Pop Art Szene. Doch sahen viele Zeitgenossen in seinen Werken einen tiefgründigen und vielschichtigen Sinn, mehr als die Pop Art auszudrücken beabsichtigte. „…Gill ist ein prominenter Künstler der Pop Art, obwohl er zu sehr Maler ist und mit seinen Themen in einer sehr emotional aufgeladenen Art umgeht, um nur als ein Pop Art Künstler zu gelten…“, schrieb der Los Angeles Times Art Editor Henry J. Seldis in der Ausgabe vom 8. November 1965.

1972 zog er sich überraschend in ein selbst auferlegtes Exil zurück, in der Annahme eine Art Fernbeziehung mit der Kunstszene aufrechterhalten zu können. Er wollte seine künstlerische Ausdrucksform weiterentwickeln, ohne den Zwängen der materiellen Welt ausgeliefert zu sein. Gill: „In jenen Tagen war ich fix und fertig durch den Ruhm und das Dilemma des „Political Prisoners“. Ich hatte persönliche Probleme und als ich dann Kaliforniens Küste entlangfuhr, war ich von der Schönheit total beeindruckt.“

Nach dem Lehrsemester in Oregon verkaufte er sein Haus, zahlreiche Bilder und Zeichnungen, um sich Land und ein Haus in Whale Gulch im kalifornischen Grenzland kaufen zu können.

1979 kehrt Gill nach Texas zurück und entwickelte seine Kunst weiter, ohne damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Sein Leben ändert sich jedoch schlagartig, als ihn ungefähr fünfzehn Jahre später das Kunstmagazin „American Art“ des Smithsonian American Art Museums anrief und um ein Interview bat. Dies markiert den Beginn seiner Wiederentdeckung, in deren Folge zahlreiche Galeristen und Museen erneut auf ihn aufmerksam werden.

Um 1987 beginnt Gill, mit den Instrumenten des Computerdesigns zu arbeiten und “den Computer und den Drucker als Zeichenwerkzeug zu benutzen“.

Gill vor seinem Marilyn Tryptich im 'MoMa', New York.
Gill vor seinem Marilyn Tryptich im 'MoMa', New York.

Ab etwa 2007 beginnt Gills späte kreative Phase, in der er sich – im Gegensatz zu den im frühen Werk dominierenden politischen Motiven – wieder verstärkt auf die Darstellung klassischer Pop Art-Ikonen wie John Wayne, Paul Newman oder Marilyn Monroe konzentriert. So entstehen zahlreiche Werke der Schauspielerin, die seit seinem frühen Erfolg mit dem Werk „Marilyn-Triptych“ (welches noch vor den Werken von Andy Warhol in die Sammlung des Museum of Modern Art aufgenommen wurde) eine ungebrochene Faszination auf ihn ausübt und den zentralen Dreh- und Angelpunkt seines Spätwerkes ausmacht.

Durch persönliche Freundschaften und Bekanntschaften mit Tony Curtis, Kirk Douglas, John Wayne, Jim Morrison, Martin Luther King oder Marlon Brando ist Gill als Künstler Zeitzeuge einer ganzen Generation geworden. Diese Persönlichkeiten prägten auch inhaltlich das Werk Gills, das er durch verschiedene Techniken und Kompositionen vermittelt.

Die Kunst von James Gill ist heute eine Verschmelzung von Realismus und Abstraktion. Fotos sind weiterhin Grundlage seiner Kunstwerke. Die Bildkomposition seiner Gemälde legt er nun oft am Computer fest und arbeitet dabei bewusst mit Montageeffekten, die er als „Metamage“ oder „Pop Surrealism“ bezeichnet.